Archiv | Juli, 2010

Kann Raumfahrt Menschheit retten?

23 Jul

Zum Bremer Weltraumforschungskongress

Wenn der blaue Planet eines Tage keine Heimat mehr ist, müssen andere Planeten besiedelt werden, sagen Weltraumforscher. Das klingt fantastisch, es wird aber schon darüber nachgedacht.“ So das Kurzgefasste zu PETER INTELMANNS Beitrag „Die Welt ist nicht genug“ in der der Ostseezeitung vom 22. Juli.

Und in der Tat, es scheint Eile geboten. Die menschliche Produktiv- und Reproduktionskraft, so der allgemein und zynisch reflektierte Eindruck, wirkt mit Macht darauf hin, unseren Planeten unbewohnbar zu machen. „Klima- oder Weltbevölkerungskollaps“ scheinen schicksalhaft, also unausweichlich über uns hereinzubrechen. Und so machen sich denn ambitionierte Wissenschaftler anheischig, wenn schon nicht die Welt, so doch wenigstens die Spezies Mensch zu retten und langfristig den Exodus einer dann wohl eher kleinen auszuwählenden Schar ins Werk zu setzen.

Es geht bei Licht besehen hier um nichts weniger als um die ins Moderne gewendete Frage nach einem Leben nach dem Tod: die Frage nach der Fortexistenz der Gattung Mensch nach dem Tod der Erde. Bei aller gebotenen Skepsis – zumindest eines verheißt das Projekt mit großer Gewissheit: ein ungeheures Geschäft. Waren die Menschen nicht von jeher dazu bereit, ihr letztes Hemd für derlei Hoffnungen zu geben. Dabei käme es doch viel eher darauf an, die nicht ganz abwegige Frage nach einem Leben vor dem Tod, einem menschenwürdigen Leben, zu beantworten und es Wirklichkeit werden zu lassen – Milliarden hoffen vergebens darauf . Gibt es da nicht einen Zusammenhang zwischen den Verwüstung dieser unserer wunderbaren Erde und den Träumen der um ihr Leben Betrogenen auf der einen Seite, und dem unermesslichen Reichtum und den wahnwitzigen Träumen nach neuen Lebensräumen auf der anderen Seite? Sind dies nicht gleichermaßen Produkte einer mit unerbittlicher Gewalt auch noch die letzten Winkel unseres Globus erobern wollenden Lebensweise, die sich dünkt, der Weisheit letzter Schluss und ultimativer Wohlstandsgenerator zu sein – und ist doch nur die vielleicht letzte Torheit und tödliche Anmaßung eben jener Spezies Mensch, deren Aussicht auf Rettung jenseits dieser Erde auf dem zur Zeit in Bremen stattfindenden „größten Weltraumforschungskongress der Welt“ zur Debatte steht. Ob die 3600 Teilnehmer die Muße finden werden, zu erörten, wen sie da eigentlich retten wollen, und ob da, wohin sie Menschen schicken wollen, es besser mit ihnen gehen wird? „Woher so große Hoffnung?“… Da ist ein Zweifeln doch in jeder Hinsicht angemessen.

Bedenkt man es recht, scheint eines sicher: Ist die Menschheit nicht imstande, ihre Probleme auf diesem Planeten human, im Einklang mit der Natur zu lösen, wird auch der Start in eine andere Welt misslingen. Sollte es ihr aber aller bisherigen Erfahrung zum Trotz (und warum eigentlich nicht) gelingen, verlöre die wissenschaftliche Erkundung des Weltraums den Charakter einer kostspieligen Heilsbotschaft und Erlösungslehre. Weltraum taugt je nicht zum Wellnesstraum, und wir werden letztlich doch lernen müssen, damit zu leben, dass nichts ewig währt – auch nicht die Menschheit in immer neuen Räumen!

Theater Vorpommern – wer führt wen, wie und wohin?

12 Jul

Tiefe Stille herrscht im Wasser,

Ohne Regung ruht das Meer,

Und bekümmert sieht der Schiffer

Glatte Fläche ringsumher.

Keine Luft von keiner Seite!

Todesstille fürchterlich!

In der ungeheuern Weite

Reget keine Welle sich.

Eine ähnliche Gemütsverfassung, wie sie diese Zeilen eines Weimaraner Staatsdieners und erfolgreichen Intendanten imaginieren, kann einen anwehen, wenn man dieser Tage an unser in Seenot befindliches Theater denkt. Schon bald nach Verabschiedung eines zu seiner Rettung gedachten Bürgerschaftsbeschlusses (5. Juli) breitete sich auch im lokalen Blätterwald ein unüberhörbares Schweigen aus. Die Zeit, da sich Bürgerinnen und Bürger dieser Region protestierend mit ihrer Unterschrift gegen die Zumutungen aus Schwerin und für den Erhalt unseres Theaters einsetzten, scheint vorbei zu sein. Sommerhitze, Fußball und Skandale lähmen oder binden die ohnehin medial strapazierten Aufmerksamkeitskapazitäten. Dabei könnte die Ruhe trügen und gerade jetzt Wachsamkeit geboten sein! Denn der Inhalt des Bürgerschaftsbeschlusses: „Prüfauftrag und Entscheidungsvorbereitung über notwendige Strukturmaßnahmen zur Zukunftssicherung der TheaterVorpommern GmbH“ hält nicht, was sein Titel vermeintlich verspricht. Wenn Spartenschließungen und/oder Fusionen als zu prüfende Optionen Konsens sind, wird das eine oder andere wohl auch beschlossen werden, als ein weiterer gravierender Schritt hin zu einem Reise- oder schlimmer noch zu einem Bespieltheater. Wie ein Kinobetreiber Filme zum Vorführen kauft, so dann „die Stadt“ Inszenierungen für ihre allenfalls noch vorgehaltene und verwaltete Spielstätte. Die Produktion von Kunst wird ausgelagert! Das, was den kulturellen Charme eines „Stadttheaters“ ausmachte, war die schöpferische Intimität, die zwischen der Kommune und „ihren“ Künstlern herrschte. Das stirbt dann endgültig!  Derartige „Strukturmaßnahmen“ werden also gerade nicht zur Zukunftssicherung der schon jetzt arg gebeutelten Theater-GmbH führen, sondern zu einem anderen, wie auch immer gearteten kostenreduzierten Spielbetrieb. Da muss man wissen, ob man das will!

Über den Intentionen der Stadtverwaltung stehen die finanziellen Zwänge vor Ort, verursacht zum einen durch eine desaströs ideologisch determinierte Finanz- und Kulturpolitik der Regierung eines der reichsten Länder dieser Welt – von der Bundesebene über die Länder verhängt, von diesen durchgereicht an die Kommunen zur anscheinend alternativlosen Exekution. Das kann hier nicht weiter ausgeführt werde, es gälte aber, sich dagegen zu wehren.

Zum anderen kann Sorgen aber auch bereiten, was hinter diesen Intentionen sozusagen an Hausgemachtem droht. Das zuständige Ressort drängt auf Eile. Denkbar, dass da eine beschworene drohende Insolvenz herhalten soll für die Durchsetzung von „Strukturmaßnahmen“, die als schönen Nebeneffekt noch etwas abwerfen zum Stopfen von „unerwarteten“ Haushaltslöchern in Millionenhöhe? Zudem lauern, mitunter nachvollziehbare, Begehrlichkeiten zuhauf auf ihre Stunde. Nicht unerwähnt sollte an dieser Stelle bleiben, dass schmerzhafte Defizite im Haushalt des Theater durch Wünsche der Gesellschafter entstanden sind, wie z.B. durch ihr starrsinnige Festhalten an einer illusionären „Festspiel“-Konzeption, durch die die Ansprüche an die sonst leistbare übliche Sommerbespielung finanziell, künstlerisch und technisch völlig überdehnt wurden.

Das Theater ist also in mehrfacher Hinsicht in der Krise. Was kann nun vom angedachten Krisenmanagement („Prüfauftrag“) erwartet werden?

Wenn, dem Vernehmen nach, die Gesellschafter den entlassenen Geschäftsführern vorwerfen, zur finanziellen Krise beigetragen zu haben, liegt der Schluss nahe, das Ausmaß dieser Krise hätte bei besserer Leitung beschränkt werden können. Dies muss dann auch für die Zukunft gelten dürfen und  sollte, unabhängig von eventuellen Gerichtsprozessen, ein Ansatz zu eigenen Analysen und Prognosen sein. Wenn man zudem in Rechnung stellt, dass die Stadt/die Gesellschafter spätestens seit der Wende in der Auswahl ihrer Intendanten und Geschäftsführer nur selten eine glückliche Hand hatten, liegen hier noch erhebliche Reserven.

Wenig zu hoffen ist allerdings von dem im Beschluss vorgegebenen Prozedere, wie man zu tragfähigen Vorschlägen für eine Entscheidung in der Bürgerschaft zu kommen gedenkt. Das jüngst in der Ostseezeitung vorgestellte neue Kompetenzteam des Theaters ist so ziemlich das alte, nur ohne Intendant und kaufmännischen Geschäftsführer, die durch zwei ehemalige Aufsichtsratsmitglieder ersetzt wurden. In dieser Aufstellung lässt sich gewiss der tägliche Theaterbetrieb für eine gewisse Zeit aufrecht erhalten – eventuell auch harmonischer als zuvor – aber bei allen Verdiensten, die jene Damen und Herren unzweifelhaft haben, man kann doch nicht allen Ernstes von ihnen, auch bei bestem Willen nicht, erwarten, das zu leisten, was jetzt mehr denn je gefordert ist: ein spartenübergreifendes künstlerisches Gesamtkonzept für ein Theater, das sich unverwechselbar in die Vorpommersche Theaterlandschaft einfügt und es maßgeblich zu prägen vermag, ein Konzept für ein Theater, dessen Akzeptanz beim Publikum sich in hoher Auslastung beweist, und das die Politik zudem durch ausgewiesene Wirtschaftlichkeit überzeugen kann.

Dabei wäre es dann auch hilfreich, die Gesellschafter hätten selbst Klarheit darüber, was für ein Theater sie künftig haben wollen. Das proklamierte Ziel, „bei gleichbleibenden Zuschüssen weiterhin qualitativ hochwertige Theater- und Konzertangebote in der Region“ vorhalten „und eine Konsolidierung der wirtschaftlichen Lage“ erreichen zu wollen greift da zu kurz. Auch deshalb ist Kompetenz von außen in dieser Situation für alle Seiten „lebenswichtig“. Nicht zuletzt gebietet die Achtung vor den vielen Mitarbeitern des Theaters, die seit Jahren das Theater Vorpommern in seinem jetzigen Umfang durch permanenten Verzicht auf  Teile ihres Gehaltes und damit auch ihrer Rente ermöglichen, es quasi sponsern, dass mit ihnen fair und für jeden Einzelnen durchschaubar umgegangen wird.

Der Wind, den jetzt das Schiff für seine Fahrt in rettendes Gewässer so dringend braucht, wird schwerlich an Bord selbst zu generieren sein.

Eine Stellenausschreibung für eine „IntendantIn“, die auf die Problematik der aktuellen Situation zugeschnitten sein muss und auch ein zeitnahes Engagement möglich macht, ist überfällig!

Stralsunder 10 – Politik und Denkmalschutz

10 Jul

Man musste nicht über ein prophetisches Gemüt verfügen, um vorherzusehen, wie sich die Dinge um die Stralsunder Straße 10 entwickeln werden, wenn konservativer Horror vor alternativ bürgerlichem Engagement sich mit  Schnäppchenjägerei auf dem kommunalen Immobilien-„Markt“ zusammentut um was zu bewegen:  fallende Mauern – steigende die Gewinne! Die Grünen haben sich der Sache dankenswerterweise noch einmal angenommen. Dazu als Kommentar mein in der OZ gekürzt abgedruckter Leserbrief vom Dezember letzten Jahres, hier ungekürzt:

Stralsunder Straße 10 – Eigennutz vor Denkmalschutz

„… Es ist skandalös, wie ein privater Investor unter dem schönen Namen „Petruswerk“ (petros, griech. – Stein oder auch Fels) in Tätereinheit mit maßgeblichen Teilen von Stadtverwaltung und Bürgerschaft das denkmalgeschützte Gebäude Stralsunder Straße 10 durch hinhaltendes Nichtstun bis zur Abbruchreife verrotten lässt! Dabei gäbe es… “

Der vollständige Text zum Weiterlesen:  http://blog.gruene-greifswald.de/2010/07/05/abriss-straze-10-offener-brief-an-das-bauamt/#comment-15185

„Ernstfall Angriffskrieg. Frieden schaffen mit aller Gewalt?“ von Jürgen Rose

5 Jul

Über ein Buch eines von mir geschätzten Autors

Buchbesprechung

Ernstfall Angriffskrieg

Martin Singe

Das 2009 im Ossietzky-Verlag erschienene hochaktuelle Buch „Ernstfall Angriffskrieg. Frieden schaffen mit aller Gewalt?“ von Jürgen Rose kann allen Friedensbewegten dringend zur Lektüre empfohlen werden. Jürgen Rose, Oberstleutnant der Bundeswehr und Mitglied im Darmstädter Signal, verfolgt mit diesem Buch das Ziel, der politischen Ächtung des Angriffskrieges im umfassenden Sinne näher zu kommen. Mit hoher Sachkenntnis und mit internem Einblick in militärische Hintergrundzusammenhänge schildert Rose die Verwicklung der Bundesregierung und der Bundeswehr in die letzten völkerrechtswidrigen Kriege (1999 Jugoslawien, 2001 Afghanistan, 2003 Irak). Rose zieht dabei die Spannbreite der Verantwortlichkeit von den regierungsamtlich Handelnden bis zu den einzelnen SoldatInnen. So nimmt die Möglichkeit der Gehorsamsverweigerung gegenüber völkerrechtswidrigen Befehlen einen breiten Raum ein. Ausgangspunkt der Schilderungen ist die Funktion des Krieges im Kontext der Globalisierung, „kriegerischer Interventionismus im Zeichen von Geopolitik und Geoökonomie“. „Verteidigung“ ist längst nicht mehr der Auftrag der Bundeswehr, bzw. der Begriff wird nur noch als Mythos hochgehalten. Da das Handeln…

weiterlesen unter: http://www.friedenskooperative.de/ff/ff10/1-54.htm