Ramona Czygan – Fotoausstellung

14 Sept
Ein junges Talent –  Sie sollten sich den Namen merken!
R. Cz.: „Thema diesmal: PaperArt.Es handelt sich um eine Art Zusammenfassung meiner 4 Serien zum Thema Papierkunst. Nein, es ist nicht meine letzte Ausstellung aber immer hin die vorletzte und wie ich finde eine echt schöne Ausstellung.
Es ist eine Vernissage und auch die Finissage…das heißt: wer die Bilder sehen will kann das nur an diesem Abend: OPEN END!
Ich würde mich freuen wenn ihr kommt und wir einen lustigen Abend verbringen könnten
und weil ich euch Kunstbanausen schon kenne, locke ich euch mit gemütlichem Feuerchen im Hof und Musi…
Also hoffentlich sehen wir uns diesen Mittwoch* um 18 Uhr in der Wollweberstraße 4.“
*Mittwoch –  15. September 2010

Jetzt sind sie dran, die Moslems…

9 Sept

Hagen Rether sagt es uns auf die sanfte Tour!

Dialog

H.R. „Das ist Demokratie: wenn man sich aussuchen darf, wer einen verarscht.“ Das ist aber doch zynisch!

H. R. „Zynisch ist: Wurst im eigenen Darm.“

Theater Vorpommern und die Wünsche des Oberbürgermeisters

3 Sept

Offener Brief an die Mitglieder der Greifswalder Bürgerschaft und des Aufsichtsrates der Theater Vorpommern GmbH

Sehr geehrte Damen und Herren,

in dem heute veröffentlichten Bericht über ein OZ-Gespräch mit unserem Oberbürgermeister gibt dieser zu verstehen, dass er „die Verträge der beiden Interimsgeschäftsführer der Theater Vorpommern GmbH verlängern“ will. Es ist davon auszugehen, dass er diese Aussage in Absprache mit dem Stralsunder Oberbürgermeister getroffen und sich mit dem Kultursenator beraten hat. Auf den ersten Blick mag es so erscheinen, als wäre dies ein positives Signal für die Zukunft unseres Theaters. Der Bericht provoziert allerdings mehr Fragen, als er belastbare Antworten gibt. Es war von Anfang an offensichtlich, dass Ihr letzter Bürgerschaftsbeschluss vom 5. Juli sich terminlich nicht realisieren lassen würde. Im IV. Quartal (das am 1. Oktober beginnt) waren sowohl von der Verwaltung als auch von der Interims-Geschäftsleitung der Bürgerschaft „Entscheidungsvorbereitungen“ und Vorschläge zur „Zukunftssicherung“ des Theaters vorzulegen. „Dass die zukünftigen Strukturen sich bis zum Jahresende festzurren lassen“, davon war keine Rede. Daher kann auch das „Scheitern“ dieses angeblichen Ziels kein Grund für eine Verlängerung sein. Im Gegenteil. In Anbetracht dessen, dass es sich nicht nur um eine simple Aufrechterhaltung eines gut eingespielten Theaterbetriebes handelt, was allenfalls durch eine Interimsleitung hätte sichergestellt werden können, war von den Gesellschaftern zu fordern, sich vorausschauend um eine neue kompetente Geschäftsführung zu kümmern. Das heißt, auch schon ehe der Entschluss „gereift“ war, die alte Geschäftsführung fristlos zu entlassen, hätte ausgeschrieben werden müssen. Spätestens aber doch wohl nach der Entlassung! Dies wurde und wird bis zum heutigen Tag versäumt und auf die lange Bank geschoben.

Und nun gibt der OB bekannt, dass er eine Ausschreibung „für verfrüht“ hält. „Man muss vorher genau wissen, was ausgeschrieben und wie das Theater künftig strukturiert werden soll.“ Ja, er hält das Theater, so der OZ-Bericht, mit der Interimslösung für gut aufgestellt. Das kann nur dem plausibel erscheinen, der die reale Lage des Theaters vernachlässigt. Ein Theater ist doch kein Gemüseladen, wo zwischen Salat aus der Region oder aus Holland zu entscheiden ist. Gerade aber wenn es um eine sinnvolle Struktur des Theaters geht, um eine künstlerische G e s a m t k o n z e p t i o n, die wiederum aufs Engste mit einer entsprechenden Personalkonzeption verbunden sein muss, wenn es um Finanzierungsfragen geht, die wiederum positiv beeinflusst werden können durch glaubwürdiges, engagiertes Werben für eben ein solches Gesamtkonzept, dann ist professionelle Kompetenz unverzichtbar: künstlerische Kompetenz und verwaltungstechnische, die um die besonderen Probleme eines Kunstbetriebes weiß. Gerade in Situationen von vermeintlich dringenden Umstrukturierungen werden oft nur aus Naivität Fehler gemacht, die zu irreversiblen finanziellen und ideellen Schäden führen.

Es scheint mir daher blauäugig, anzunehmen, zwei fachfremde Rechtsanwälte aus dem Aufsichtsrat könnten den anstehenden Aufgaben gerecht werden. Das ist auch bei bestem Willen gar nicht zu leisten. Wer den Theaterbetrieb kennt, sollte das wissen!

Da kommt auch keine große Hoffnung auf, wenn Westphal, der von Stralsund gestellte Geschäftsführer, die „begonnene Arbeit auch zu Ende führen“ möchte, und Greifswalds RA Steffens noch keine Aussage über „s e i n e Zukunft“ treffen möchte. Es geht um die Zukunft des Theaters.

Ähnlich verhält es sich mit Königs Aussage: „W i r schauen erst einmal, ob w i r unser Theater aus eigenen Kräften stabilisieren können, erst dann ziehen w i r Kooperationen in Betracht“. Das betrifft nun auch Sie, die Mitglieder der Bürgerschaft: Welche überzeugenden Pläne und Argumente haben die Interimsgeschäftsführer und das Theater auf den Tisch gelegt, die den OB zu Recht veranlassen könnten, Ihren von der Verwaltung eingebrachten Bürgerschaftsbeschluss quasi als erledigt zu betrachten? Oder ist es die Flucht nach vorn, weil nichts Konkretes vorliegt?

Es wäre toll, wenn sich die Drohungen aus Schwerin in Luft auflösten, die Stadt ihre Mittel für eine anständige Bezahlung aller ihrer Künstler dynamisierte und das Theater über sich selbst hinauswüchse und hier und anderswo vor vollen Häusern spielte. Aber auch um d i e s nur annähernd realisieren zu können, bedürfte es genau jener oben beschriebenen Kompetenz.

Ein „weiter so“ darf es also nicht geben. Ich bitte deshalb den Aufsichtsrat, seine anstehende Entscheidung in Sachen Verlängerung oder entsprechender Varianten verantwortungsvoll abzuwägen, damit nicht der Verdacht aufkommt, Kompetenz wäre zurzeit unerwünscht oder würde stören, oder Gefälligkeiten zu bedienen hätte Vorrang.

Und an die Mitglieder der Bürgerschaft geht gleichermaßen mein dringender Appell: Nehmen Sie Ihre Verantwortung wahr, mischen Sie sich ein, fragen und prüfen Sie, und ziehen Sie als Bürgerschaft notfalls die Sache an sich.

Jost Aé

Greifswald, den 3. September 2010

Sarrazin und die SPD

3 Sept

Sarrazin ist SPD-Mitglied und will es nach kürzlich eigenem Bekunden bis an sein Lebensende bleiben. Nun muss man für ihn nicht fürchten, dass die Partei sein Ein und Alles ist, und ein Leben nach einem Ausschluss für ihn keinen Sinn mehr hätte, obwohl er zugegebenermaßen auch schon zu Zeiten, als er und die SPD noch mitregieren durften, immer wieder sein Bestes gab, das trotzig erkämpfte Negativimage seiner Partei zu befestigen. In Erinnerung blieben die unsäglichen,  ausgrenzenden Diffamierungen einer „gefühlten“ sozialschmarotzenen Unterschicht, der er selbstgestrickte Pullover gegen zu hohe Heizkosten empfahl. Die Kritik des sozialen Gewissens aus fast allen politischen Lagern bekümmerte ihn wenig, konnte er doch hoffen, dass seine Ausfälle „ganz oben“ wohlwollend geduldet wurden. Nach der drastisch verlorenen Bundestagswahl und dem Marsch in die ungeliebte Opposition drehte sich langsam der Wind. Ob er es nicht merken wollte? Er hatte noch zu viel auf Lager, arbeitete unverdrossen an seinem Buch, und brachte es schließlich mit perfekter Medienpräsenz vor die Öffentlichkeit. Das Erschreckende ist nun nicht, dass da einer ist, der moderne rassistische Thesen vertritt und verbreitet und sich, auch international, in die erste Reihe brandstiftender Demagogen stellt. Es ist das Echo! Allenthalben heißt es: Der Mann hat recht! Er sagt doch nur was alle denken! Und das sagt mehr über unsere Gesellschaft aus, als wir uns wünschen. Das allerdings könnte Sarrazins Verdienst sein. Ein brandgefährliches Verdienst, wo doch jeder, der eine öffentliche Rolle zu spielen in der Lage ist, wissen müsste, dass in Krisenzeiten Blitzableiter für den Volkszorn gesucht werden, und dass es regelmäßig die Schwächsten der Gesellschaft trifft, die Minderheiten, die Randgruppen, die Außenseiter und „schwarzen Schafe“. Und – das Echo verweist auf eine Politik, die zur Mitverursacherin der Weltfinanzkrise wurde, und deren Krisenmanagement zwar die Banken vorerst rettet, aber um den Preis einer weiteren Vertiefung gesellschaftlicher  Spaltungen.

Diesmal hat Sarrazin in die rassistische Trickkiste gegriffen und damit den Bogen überspannt. Die „Causa Sarrazin“ wurde für die politische Klasse zu eklatant. Die Kanzlerin reagierte schnell. Keiner weiß genau, was sie dazu bewog, sich diesmal gegen ein Aussitzen zu entscheiden – waren es ihre seismographischen Fähigkeiten, kluge Beraterinnen, oder war es das Zaudern des amtierenden Oppositionsführers? Jedenfalls – sie  gab den Takt vor, der Bundespräsident gab den entscheidenden Tipp und die Bundesbank zog die unvermeidlichen Konsequenzen.

Und Sarrazins SPD? – Die Parteispitze will nun den Ausschluss. Aus unerfindlichen Gründen will Gabriel aber „keinen kurzen Prozess“, wie z. B. in Diskussionen der Berliner Parteibasis gefordert. Sollen sich erst beschämende Solidaritätskomitees für Sarrazin und für „Meinungsfreiheit“ in der SPD gründen? Soll am nun wirklich falschen Objekt demonstriert werden, wie demokratisch die Partei ist? Meinungsfreiheit muss auch in einer Partei ihre Grenze finden, dort, wo sie zur Verletzung ihrer Grundwerte missbraucht wird. Das sozialdemokratische Talent zum Zaudern zur Unzeit könnte für die Partei zum Fiasko werden. Nach verpassten Gelegenheiten muss Sarrazins Mitgliedschaft nun so schnell wie möglich vom Tisch!

„Unrechtsstaat DDR“, der „Anschluss“ und Naomi Klein

1 Sept

„Unrechtsstaat“ begründet eine Kampflinie zwischen denen, die auf diesem Kampfbegriff beharren, und denen, die sich ihm beharrlich verweigern. Mal wieder ist einer aus dem Osten, der es wissen muss, gegen diesen Begriff in die Bresche gesprungen: Lothar de Maizière. Und gleich keult einer aus dem Westen, Kulturstaatsminister Neumann, der es nun wirklich, schon qua Amt, besser wissen müsste, ohne jedes Maß zurück: DDR war Unrechtsstaat „durch und durch“! Es gibt da eine Mauer in West-Köpfen, und vor allem in denen, die es durch Republikflucht, innere Emigration oder Anbiederung geworden sind, die der Berliner Mauer an Betonhaftigkeit nur wenig nachsteht und ähnlicher Motivation geschuldet ist: dem Wunsch, Sieger der Geschichte zu sein. Die Mauer schützt vor der Gefahr, die Herkunft des eigenen Staates, und damit die eigene Existenzweise in Frage stellen zu müssen. Das „hier Rechtsstaat mit Fehlern und dort Unrechtsstaat, wo nicht Alles schlecht war, taugt eher als Totschlagargument denn zur Herstellung der vielbeschworenen „inneren Einheit“. Auf dieser Linie liegt auch, wenn mitunter den Einzelnen ein richtiges Leben im falschen System zugebilligt wird.

So wie sich einst beide Staaten gegenseitig ihr Existenzrecht abgesprochen haben aus berechtigter Angst, denn es ging ja immer zumindest eine ideologische Gefahr vom anderen aus, so geht es auch heute, wenn auch nun post mortem, um das Existenzrecht des verblichenen „Ersten Arbeiter-und-Bauern-Staates auf deutschem Boden“ – um sein Existenzrecht in den Lehr- und Geschichtsbüchern des vereinten Deutschlands. So, wie sich die Hoffnungen, dass sich „das Problem Linkspartei mit dem Ableben der letzte SED-Genossen von selbst erledigt, nicht erfüllen wird, befürchtet man auch, dass dieser „Unrechtsstaat“ positiv in Erinnerung bleibt als Versuch einer System-Alternative, wenn auch als gescheiterter. Die aggressiv-ängstliche Blockadehaltung jenseits der genannte Kampflinie ist zwar wenig produktiv, aber nicht irrational, denn: ist dem siegreichen, real existierenden Kapitalismus nicht das Menetekel längst an die Wand geschrieben, das wiederum sein Existenzrecht in Frage stellt? Könnte nicht im falschen oder richtigen Moment schon nur die Frage eines einzigen noch lesenden Arbeitslosen nach dem Recht auf Arbeit die ganze schöne Marktfreiheit-fixierte Argumentationsstruktur zusammenbrechen lassen? Und könnten nicht die Menschen irgendwann lauter zu fragen beginnen, ob nur Recht ist, was in der Verfassung steht, und wie, was drin steht zu deuten sei?

Eine andere Facette dieses Streites kommt anlässlich des zwanzigsten Jahrestages der Unterzeichnung des Einigungsvertrages an die mediale Oberfläche. Nicht irgendwer, sondern Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck spricht vom „Anschluss“ der DDR. Das weist auf eine kleine, selten beachtete Differenz: Das Ende des „Unrechtsstaates“, das man wohl auf die Tage des Mauerfalls datieren könnte oder spätestens auf den Tag der Konstituierung der ersten frei gewählten Volkskammer und das Ende der DDR fielen zeitlich nicht zusammen. Was geschah dazwischen? „Anschluss“ meint wohl mehr, als dass da auf dem Weg zur Vereinigung einiges schief gelaufen ist, und genau deshalb das Geschrei von jenseits der Kampflinie!

Die Einheit möchte ich nicht missen. Wenn ich aber auf den Vereinigungsprozess schaue, ist mir, als läse ich in einem nicht geschriebenen Kapitel: ‚Die sanfte Variante: das Ende der DDR‘ aus dem glänzend recherchierten, beklemmenden Buch „Die Schockstrategie“ von Naomi Klein.

Rechtsstaat oder Atomstaat ?

28 Aug

update: 2. september + nd-interview

Aufruf gefunden, den ich unterschrieben habe, und den ich weiter empfehle!

„Demokratischer Rechtsstaat oder Atomstaat

Im Konflikt um die Laufzeitverlängerung geht es nicht allein um die Energiefrage

… Der bis zum Vertragsbruch gehenden Maßlosigkeit der Konzernpatriarchen muss demokratischer Widerstand entgegengesetzt werden: für den Ausstieg aus der Atomenergie und zur Verteidigung der Demokratie. Beides gehört zusammen. Dieser Widerstand beginnt jetzt. …“

der vollständige Text: Aufruf

dazu: ND-Interview mit Andrea Ypsilanti

Wolfgang Bittner – Kölner Karls-Preis 2010

23 Aug

Es gibt wenig-bekannte, dennoch interessante Preise. Die Redaktion der Onlinepublikation NEUE RHEINISCHE ZEITUNG verlieh den “Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik“ zum zweiten Mal. Nach Werner  Rügemer nun an  Wolfgang Bittner. In seiner Dankesrede benennt er in deutlichen Worten kritisch gesellschaftliche  Probleme unserer Zeit. Je allgemeiner sich kritisches Problembewusssein verbreitet, desto größer werden die Chancen auf die Entwicklung realistischer Lösungsansätze, ihrer gesellschaftlichen Akzeptanz und Verwirklichung.

Wie wir leben und was wir sind

Rede zum Kölner Karls-Preis

Von Wolfgang Bittner

„… Ich muss nicht hungern, ich habe ein Dach über dem Kopf, ich lebe nicht in einer kriegsgefährdeten Region, ich habe eine befriedigende Arbeit, mir geht es relativ gut. Dennoch spüre ich seit mehreren Jahren ein zunehmendes Unwohlsein, das mit den gesellschaftlichen Verhältnissen in diesem Land, in dem ich lebe, und mit der Politik zu tun hat, die hier – aber auch anderswo in dieser globalisierten Welt – betrieben wird. …“

Hier der vollständige Text

Pressemitteilung der NRhZ

Bedingungsloses Grundeinkommen

21 Aug

nicht nur für Banken!

gefunden bei Susanne Wiest

WVG Greifswald und ihre politische „Privatisierung“

14 Aug

Kommunale Betriebe finden wesentlich ihre Legitimation darin, dass sie zum Wohle der Allgemeinheit geführt werden. Dem von vielen zutiefst verinnerlichten neoliberalen Zeitgeist gilt kommunales Eigentum als Teufelswerk – daher die allerorts zu beobachtenden Privatisierungsorgien. So wie die hehre grundgesetzliche Forderung, (privates)Eigentum solle „zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen“ zumeist ins Leere läuft, und zuletzt geradezu umgekehrt wurde (indem der Steuerzahler die Privatbanken zu retten verpflichtet wurde), können leider auch kommunale Betriebe politischer Zielstellung nach, Profit zu erwirtschaften, wie private geführt werden. Dies scheint in Greifswald der Fall zu sein, wo die Verwaltung der Stadt mitsamt einer Mehrheit der Bürgerschaft es so seit langem duldet und beschließt. Wenn hier Mieterhöhungen nicht mehr der kostendeckenden Bewirtschaftung (inklusive der notwendigen Investitionen) dienen, sondern, wie auch immer getarnt, zur städtischen Schuldentilgung, wird eine einseitig zu Lasten der Mieter gehende Umverteilung „von unten nach oben“ praktiziert, wie sie nicht anders regelmäßig durch den privaten Sektor erfolgt. Das wird auch nicht besser dadurch, dass das „so üblich ist“. Gerechter wäre z. B., man erhöbe eine alle je nach Vermögen belastende Abgabe. Auch Bußgelder könnten da uneingeschränkt verwendet werden, wenn man sie denn (wie bei Verletzung winterlicher Räumpflicht) verhängte. Wenn also die WVG betreibt, was sie schon zu Zeiten, als man noch die Braut zum beabsichtigten Verkauf zu schmücken hatte, ohne Skrupel tat, und damit kräftig am Mietspiegel dreht – man könnte zynisch sagen, dass das ja nur gerecht sei, da es ja so alle trifft –, dann wird sie genau ihrem eigentlichen (sozialen) Auftrag nicht gerecht. Auch nicht durch die rigide Abrissstrategie, die so ganz nebenbei ebenfalls der Erhöhung der Mieten in Greifswald dient. Nichts kann das „marktwirtschaftliche“ Selbstverständnis der WVG besser belegen als der Satz ihrer technischen Leiterin: „Die Marktnachfrage und der geringe Leerstand zeigen, dass wir richtig kalkulieren“. Wirklich nutzt dies nur all jenen, die über privates Wohn- und Vermieteigentum verfügen. Die Stadt täte gut daran, einmal all die nicht einkalkulierten Nebenkosten, die sie sich und uns mit dieser Art Haushaltssanierung aufhalst, hausintern aber öffentlich zu begutachten!

Greifswalder Stadthalle – höchste Zeit für Kompetenz

5 Aug

Hier der vollständige Text meines heute abgedruckten OZ-Leserbriefes vom 31.07.2010

„Wie weiter mit der Stadthalle?“ Was OZ da an Ahnungs- und Hilflosigkeit recherchierte, ist abenteuerlich, geht es dabei doch nicht zuletzt auch um das Schicksal unseres Theaters! – Kein Betreiberkonzept? Die Stadthalle wird Kosten verursachen? Keine schwarzen Zahlen? Aufsichtsrat? – Augen zu und durch! Einst Prestigeobjekt und Wahlversprechen – sind die Verantwortlichen nun abgetaucht? Gibt es überhaupt welche, oder bekommen wir statt dessen eine Variante des beliebten Schwarzen-Peter-Spiels aufgetischt? – Und wie geht’s der Leiche im Keller, dem Theatercafé? Es wäre Zeit für beherzte Kompetenz: höchste Zeit!

Loveparade 2010

3 Aug

Duisburg und die Sehnsucht nach dem Event

Welche Sehnsucht, welche Hoffnung treibt Menschen immer wieder, zu Hunderttausenden, ja zu Millionen an einen Ort zu pilgern, um an einem Ereignis Teil zu haben, das eben durch die Teilnahme der Vielen erst seinen eigentlichen Kick und Eventcharakter erhält. Ist es allein die Faszination der großen Zahl? Ist es die Sehnsucht der Vereinzelten, im Großen Ganzen aufzugehen, sich für ein paar Momente im Rausch der Masse über die eigene, zu oft als nichtig empfundene Existenz zu erheben, sich aufgehoben zu fühlen im Allgemeinen, in der Gattung, jenseits aller individuellen und gesellschaftlichen Konflikte und Widersprüche? Ist es der Wunsch, Schillers ins Geistige gewendeten Traum, Millionen zu umschlingen, vor gigantische Videowänden und Megaphonen als machbar zu erleben?

Was nach der Katastrophe medial weniger ausgeleuchtet wurde, aber doch als ein gutes Zeichen für die Spezies Mensch gewertet werden darf, war das offensichtliche Scheitern eines von Politik und Kirchen unverdrossen geplanten weiteren Events. Man unterstellte zu vielen das Bedürfnis nach öffentlicher Trauerarbeit und rechnete wiederum mit gigantischen Zahlen. Die dreißig tausend Stadionplätze füllten sich unerwartet nur zu einem knappen Zehntel und selbst in der Trauergottesdienstkirche, in der sich unter großen Sicherheitsvorkehrungen die Prominenz in erster Reihe mittrauernd zeigen durfte, blieben Plätze frei. Der Adressat der Eventbemühungen zeigte Instinkt und blieb zu hause. Das Volk war es diesmal müde, seine Trauer zum politisch-religiösen Event werden zu lassen, und trauerte auf seine Weise – schlimmstenfalls vor dem Bildschirm…


Nachtrag: ein Text eines Bloggers vom 11. Februar 2009 mit einem update post festum

http://musiktipps24.com/loveparade-2010-in-duisburg-steht-fest/

„An welchem Ort Duisburg in einen Hexenkessel verwandelt wird, ist bisher noch unklar, allerdings…

Zuletzt war um mögliche Austragungsorte immer wieder diskutiert worden, auch Duisburg wurde in Frage gestellt. Die Wirtschaftsfördergesellschaft Metropoleruhr schiebt nun weiterem Gerede einen Riegel vor. Sie teilt mit, dass “die Spekulationen der letzten Tage über mögliche Austragungsorte jeder Grundlage entbehren” . Auch die Loveparade 2011 soll wie geplant in Gelsenkirchen stattfinden.

Grund für die vielen Spekulationen dürfte in jedem Fall der Ausfall der diesjährigen Loveparade 2009 sein. Diese sollte eigentlich in der Ruhrgebietsmetropole Bochum stattfinden, die Stadtväter schoben dem aber kürzlich einen Riegel vor. Man fürchtet in der Geburtsstadt von Herbert Grönemeyer , dass man dem Besucheransturm nicht gewachsen sein könnte.

In meinen Augen ein herber Verlust für das Ruhrgebiet und vor allem für die in Bochum ansässigen Händler. Die Loveparade ist ein Millionengeschäft und diese Millionen werden nun woanders ausgegeben, aber definitiv nicht mehr in Bochum . Eigentlich eine peinliche Vorstellung der Stadt.

UPDATE: Ich muss mich für meine Aussage zum Thema Bochum in aller Form entschuldigen. Anscheinend haben die Verantwortlichen dort das einzig richtige getan. Scheiss auf das Geld und die Händler, anscheinend war man sich hier der Verantwortung den Menschen gegenüber bewusst. Vielleicht hätte man in Duisburg auch genauer überlegen sollen, aber das ist später immer einfach gesagt.“

Kann Raumfahrt Menschheit retten?

23 Jul

Zum Bremer Weltraumforschungskongress

Wenn der blaue Planet eines Tage keine Heimat mehr ist, müssen andere Planeten besiedelt werden, sagen Weltraumforscher. Das klingt fantastisch, es wird aber schon darüber nachgedacht.“ So das Kurzgefasste zu PETER INTELMANNS Beitrag „Die Welt ist nicht genug“ in der der Ostseezeitung vom 22. Juli.

Und in der Tat, es scheint Eile geboten. Die menschliche Produktiv- und Reproduktionskraft, so der allgemein und zynisch reflektierte Eindruck, wirkt mit Macht darauf hin, unseren Planeten unbewohnbar zu machen. „Klima- oder Weltbevölkerungskollaps“ scheinen schicksalhaft, also unausweichlich über uns hereinzubrechen. Und so machen sich denn ambitionierte Wissenschaftler anheischig, wenn schon nicht die Welt, so doch wenigstens die Spezies Mensch zu retten und langfristig den Exodus einer dann wohl eher kleinen auszuwählenden Schar ins Werk zu setzen.

Es geht bei Licht besehen hier um nichts weniger als um die ins Moderne gewendete Frage nach einem Leben nach dem Tod: die Frage nach der Fortexistenz der Gattung Mensch nach dem Tod der Erde. Bei aller gebotenen Skepsis – zumindest eines verheißt das Projekt mit großer Gewissheit: ein ungeheures Geschäft. Waren die Menschen nicht von jeher dazu bereit, ihr letztes Hemd für derlei Hoffnungen zu geben. Dabei käme es doch viel eher darauf an, die nicht ganz abwegige Frage nach einem Leben vor dem Tod, einem menschenwürdigen Leben, zu beantworten und es Wirklichkeit werden zu lassen – Milliarden hoffen vergebens darauf . Gibt es da nicht einen Zusammenhang zwischen den Verwüstung dieser unserer wunderbaren Erde und den Träumen der um ihr Leben Betrogenen auf der einen Seite, und dem unermesslichen Reichtum und den wahnwitzigen Träumen nach neuen Lebensräumen auf der anderen Seite? Sind dies nicht gleichermaßen Produkte einer mit unerbittlicher Gewalt auch noch die letzten Winkel unseres Globus erobern wollenden Lebensweise, die sich dünkt, der Weisheit letzter Schluss und ultimativer Wohlstandsgenerator zu sein – und ist doch nur die vielleicht letzte Torheit und tödliche Anmaßung eben jener Spezies Mensch, deren Aussicht auf Rettung jenseits dieser Erde auf dem zur Zeit in Bremen stattfindenden „größten Weltraumforschungskongress der Welt“ zur Debatte steht. Ob die 3600 Teilnehmer die Muße finden werden, zu erörten, wen sie da eigentlich retten wollen, und ob da, wohin sie Menschen schicken wollen, es besser mit ihnen gehen wird? „Woher so große Hoffnung?“… Da ist ein Zweifeln doch in jeder Hinsicht angemessen.

Bedenkt man es recht, scheint eines sicher: Ist die Menschheit nicht imstande, ihre Probleme auf diesem Planeten human, im Einklang mit der Natur zu lösen, wird auch der Start in eine andere Welt misslingen. Sollte es ihr aber aller bisherigen Erfahrung zum Trotz (und warum eigentlich nicht) gelingen, verlöre die wissenschaftliche Erkundung des Weltraums den Charakter einer kostspieligen Heilsbotschaft und Erlösungslehre. Weltraum taugt je nicht zum Wellnesstraum, und wir werden letztlich doch lernen müssen, damit zu leben, dass nichts ewig währt – auch nicht die Menschheit in immer neuen Räumen!

Theater Vorpommern – wer führt wen, wie und wohin?

12 Jul

Tiefe Stille herrscht im Wasser,

Ohne Regung ruht das Meer,

Und bekümmert sieht der Schiffer

Glatte Fläche ringsumher.

Keine Luft von keiner Seite!

Todesstille fürchterlich!

In der ungeheuern Weite

Reget keine Welle sich.

Eine ähnliche Gemütsverfassung, wie sie diese Zeilen eines Weimaraner Staatsdieners und erfolgreichen Intendanten imaginieren, kann einen anwehen, wenn man dieser Tage an unser in Seenot befindliches Theater denkt. Schon bald nach Verabschiedung eines zu seiner Rettung gedachten Bürgerschaftsbeschlusses (5. Juli) breitete sich auch im lokalen Blätterwald ein unüberhörbares Schweigen aus. Die Zeit, da sich Bürgerinnen und Bürger dieser Region protestierend mit ihrer Unterschrift gegen die Zumutungen aus Schwerin und für den Erhalt unseres Theaters einsetzten, scheint vorbei zu sein. Sommerhitze, Fußball und Skandale lähmen oder binden die ohnehin medial strapazierten Aufmerksamkeitskapazitäten. Dabei könnte die Ruhe trügen und gerade jetzt Wachsamkeit geboten sein! Denn der Inhalt des Bürgerschaftsbeschlusses: „Prüfauftrag und Entscheidungsvorbereitung über notwendige Strukturmaßnahmen zur Zukunftssicherung der TheaterVorpommern GmbH“ hält nicht, was sein Titel vermeintlich verspricht. Wenn Spartenschließungen und/oder Fusionen als zu prüfende Optionen Konsens sind, wird das eine oder andere wohl auch beschlossen werden, als ein weiterer gravierender Schritt hin zu einem Reise- oder schlimmer noch zu einem Bespieltheater. Wie ein Kinobetreiber Filme zum Vorführen kauft, so dann „die Stadt“ Inszenierungen für ihre allenfalls noch vorgehaltene und verwaltete Spielstätte. Die Produktion von Kunst wird ausgelagert! Das, was den kulturellen Charme eines „Stadttheaters“ ausmachte, war die schöpferische Intimität, die zwischen der Kommune und „ihren“ Künstlern herrschte. Das stirbt dann endgültig!  Derartige „Strukturmaßnahmen“ werden also gerade nicht zur Zukunftssicherung der schon jetzt arg gebeutelten Theater-GmbH führen, sondern zu einem anderen, wie auch immer gearteten kostenreduzierten Spielbetrieb. Da muss man wissen, ob man das will!

Über den Intentionen der Stadtverwaltung stehen die finanziellen Zwänge vor Ort, verursacht zum einen durch eine desaströs ideologisch determinierte Finanz- und Kulturpolitik der Regierung eines der reichsten Länder dieser Welt – von der Bundesebene über die Länder verhängt, von diesen durchgereicht an die Kommunen zur anscheinend alternativlosen Exekution. Das kann hier nicht weiter ausgeführt werde, es gälte aber, sich dagegen zu wehren.

Zum anderen kann Sorgen aber auch bereiten, was hinter diesen Intentionen sozusagen an Hausgemachtem droht. Das zuständige Ressort drängt auf Eile. Denkbar, dass da eine beschworene drohende Insolvenz herhalten soll für die Durchsetzung von „Strukturmaßnahmen“, die als schönen Nebeneffekt noch etwas abwerfen zum Stopfen von „unerwarteten“ Haushaltslöchern in Millionenhöhe? Zudem lauern, mitunter nachvollziehbare, Begehrlichkeiten zuhauf auf ihre Stunde. Nicht unerwähnt sollte an dieser Stelle bleiben, dass schmerzhafte Defizite im Haushalt des Theater durch Wünsche der Gesellschafter entstanden sind, wie z.B. durch ihr starrsinnige Festhalten an einer illusionären „Festspiel“-Konzeption, durch die die Ansprüche an die sonst leistbare übliche Sommerbespielung finanziell, künstlerisch und technisch völlig überdehnt wurden.

Das Theater ist also in mehrfacher Hinsicht in der Krise. Was kann nun vom angedachten Krisenmanagement („Prüfauftrag“) erwartet werden?

Wenn, dem Vernehmen nach, die Gesellschafter den entlassenen Geschäftsführern vorwerfen, zur finanziellen Krise beigetragen zu haben, liegt der Schluss nahe, das Ausmaß dieser Krise hätte bei besserer Leitung beschränkt werden können. Dies muss dann auch für die Zukunft gelten dürfen und  sollte, unabhängig von eventuellen Gerichtsprozessen, ein Ansatz zu eigenen Analysen und Prognosen sein. Wenn man zudem in Rechnung stellt, dass die Stadt/die Gesellschafter spätestens seit der Wende in der Auswahl ihrer Intendanten und Geschäftsführer nur selten eine glückliche Hand hatten, liegen hier noch erhebliche Reserven.

Wenig zu hoffen ist allerdings von dem im Beschluss vorgegebenen Prozedere, wie man zu tragfähigen Vorschlägen für eine Entscheidung in der Bürgerschaft zu kommen gedenkt. Das jüngst in der Ostseezeitung vorgestellte neue Kompetenzteam des Theaters ist so ziemlich das alte, nur ohne Intendant und kaufmännischen Geschäftsführer, die durch zwei ehemalige Aufsichtsratsmitglieder ersetzt wurden. In dieser Aufstellung lässt sich gewiss der tägliche Theaterbetrieb für eine gewisse Zeit aufrecht erhalten – eventuell auch harmonischer als zuvor – aber bei allen Verdiensten, die jene Damen und Herren unzweifelhaft haben, man kann doch nicht allen Ernstes von ihnen, auch bei bestem Willen nicht, erwarten, das zu leisten, was jetzt mehr denn je gefordert ist: ein spartenübergreifendes künstlerisches Gesamtkonzept für ein Theater, das sich unverwechselbar in die Vorpommersche Theaterlandschaft einfügt und es maßgeblich zu prägen vermag, ein Konzept für ein Theater, dessen Akzeptanz beim Publikum sich in hoher Auslastung beweist, und das die Politik zudem durch ausgewiesene Wirtschaftlichkeit überzeugen kann.

Dabei wäre es dann auch hilfreich, die Gesellschafter hätten selbst Klarheit darüber, was für ein Theater sie künftig haben wollen. Das proklamierte Ziel, „bei gleichbleibenden Zuschüssen weiterhin qualitativ hochwertige Theater- und Konzertangebote in der Region“ vorhalten „und eine Konsolidierung der wirtschaftlichen Lage“ erreichen zu wollen greift da zu kurz. Auch deshalb ist Kompetenz von außen in dieser Situation für alle Seiten „lebenswichtig“. Nicht zuletzt gebietet die Achtung vor den vielen Mitarbeitern des Theaters, die seit Jahren das Theater Vorpommern in seinem jetzigen Umfang durch permanenten Verzicht auf  Teile ihres Gehaltes und damit auch ihrer Rente ermöglichen, es quasi sponsern, dass mit ihnen fair und für jeden Einzelnen durchschaubar umgegangen wird.

Der Wind, den jetzt das Schiff für seine Fahrt in rettendes Gewässer so dringend braucht, wird schwerlich an Bord selbst zu generieren sein.

Eine Stellenausschreibung für eine „IntendantIn“, die auf die Problematik der aktuellen Situation zugeschnitten sein muss und auch ein zeitnahes Engagement möglich macht, ist überfällig!

Stralsunder 10 – Politik und Denkmalschutz

10 Jul

Man musste nicht über ein prophetisches Gemüt verfügen, um vorherzusehen, wie sich die Dinge um die Stralsunder Straße 10 entwickeln werden, wenn konservativer Horror vor alternativ bürgerlichem Engagement sich mit  Schnäppchenjägerei auf dem kommunalen Immobilien-„Markt“ zusammentut um was zu bewegen:  fallende Mauern – steigende die Gewinne! Die Grünen haben sich der Sache dankenswerterweise noch einmal angenommen. Dazu als Kommentar mein in der OZ gekürzt abgedruckter Leserbrief vom Dezember letzten Jahres, hier ungekürzt:

Stralsunder Straße 10 – Eigennutz vor Denkmalschutz

„… Es ist skandalös, wie ein privater Investor unter dem schönen Namen „Petruswerk“ (petros, griech. – Stein oder auch Fels) in Tätereinheit mit maßgeblichen Teilen von Stadtverwaltung und Bürgerschaft das denkmalgeschützte Gebäude Stralsunder Straße 10 durch hinhaltendes Nichtstun bis zur Abbruchreife verrotten lässt! Dabei gäbe es… “

Der vollständige Text zum Weiterlesen:  http://blog.gruene-greifswald.de/2010/07/05/abriss-straze-10-offener-brief-an-das-bauamt/#comment-15185

„Ernstfall Angriffskrieg. Frieden schaffen mit aller Gewalt?“ von Jürgen Rose

5 Jul

Über ein Buch eines von mir geschätzten Autors

Buchbesprechung

Ernstfall Angriffskrieg

Martin Singe

Das 2009 im Ossietzky-Verlag erschienene hochaktuelle Buch „Ernstfall Angriffskrieg. Frieden schaffen mit aller Gewalt?“ von Jürgen Rose kann allen Friedensbewegten dringend zur Lektüre empfohlen werden. Jürgen Rose, Oberstleutnant der Bundeswehr und Mitglied im Darmstädter Signal, verfolgt mit diesem Buch das Ziel, der politischen Ächtung des Angriffskrieges im umfassenden Sinne näher zu kommen. Mit hoher Sachkenntnis und mit internem Einblick in militärische Hintergrundzusammenhänge schildert Rose die Verwicklung der Bundesregierung und der Bundeswehr in die letzten völkerrechtswidrigen Kriege (1999 Jugoslawien, 2001 Afghanistan, 2003 Irak). Rose zieht dabei die Spannbreite der Verantwortlichkeit von den regierungsamtlich Handelnden bis zu den einzelnen SoldatInnen. So nimmt die Möglichkeit der Gehorsamsverweigerung gegenüber völkerrechtswidrigen Befehlen einen breiten Raum ein. Ausgangspunkt der Schilderungen ist die Funktion des Krieges im Kontext der Globalisierung, „kriegerischer Interventionismus im Zeichen von Geopolitik und Geoökonomie“. „Verteidigung“ ist längst nicht mehr der Auftrag der Bundeswehr, bzw. der Begriff wird nur noch als Mythos hochgehalten. Da das Handeln…

weiterlesen unter: http://www.friedenskooperative.de/ff/ff10/1-54.htm


Theater abwracken?

29 Jun

Man könnte es mal wieder als sommerliche Provinzposse abtun, wenn es nicht so traurig und beschämend wäre. Die drei Gesellschafter Greifswald, Stralsund und Putbus schicken* den Intendanten und den kaufmännischen Geschäftsführer ihres (und unseres!) Theaters in die Wüste, und inthronisieren die alternierenden Vorsitzenden genau jenes Aufsichtsrates, der offensichtlich mit der Aufsicht des Theaters überfordert ist und überdies einen fehlerhaft gestrickten Gesellschaftsvertrag zu verantworten hat, der die von Greifswald nicht gewollte Verlängerung eben jenes nun gefeuerten Intendanten ermöglichte. Das ist so, als liquidierte eine Reederei Kapitän und Steuermann ihres teuersten und in Seenot geratenen Schiffes und schickte zwei ihrer Aufsichtsratsmitglieder an Bord, das Schiff zu retten. Aber, um im Bilde zu bleiben, soll das Schiff vielleicht gar nicht gerettet, sondern abgewrackt werden – liegt darin vielleicht eine wohlüberlegte List? Und in der Tat, die Zeichen stehen fürs Theater auf Sturm. Das Land will die Theaterlandschaft substanziell halbieren. Abwracken also! Das wissen die Gesellschafter nun seit über zwei Jahren! Wie war und ist nun die um ihre Kreisfreiheit so bangende Greifswalder Stadtverwaltung für diese Situation aufgestellt? Sie „bittet“ die Bürgerschaft in einer Beschlussvorlage für den 5. Juli, sie zu beauftragen, „… zur Sicherung und Weiterentwicklung zukunftsfähiger Theater- und Orchesterstrukturen notwendige Strukturmaßnahmen zu entwickeln, und der Bürgerschaft zur Entscheidung vorzulegen.“ Ich halte das für einen kulturpolitischen Offenbarungseid! Kann die Verwaltung nichts tun, ohne beauftragt zu werden? Seit zwei Jahren nichts außer Missmanagement ärgerlicher Theaterquerelen? Und natürlich muss es nun schnell gehen. Die Bürgerschaft soll einen Freifahrtsschein ausstellen für Spartenschließungen oder –verkleinerungen, Fusionen und letztlich künstlerischen Personalabbau. Und da man selbst nichts zu bieten hat, sollen die gewitzten Vorschläge aus Anklam und Neubrandenburg in die „Überlegungen“ einbezogen werden dürfen, die  das Blaue vom Himmel versprechen und ihre wohlverstandenen eigenen Interessen geschickt ins Spiel zu bringen wissen.

Wieder, wie vor zwei Jahren, als im Schatten der Fußball-EM der Verkauf der WVG auf der Agenda stand, wird von der Stadt selbsterzeugter Zeitdruck ausgeübt, um der Bürgerschaft und den Bürgerinnen und Bürgern unserer Hansestadt zu vermitteln, dass es zu den Plänen, die diesmal noch keiner kennt, keine Alternative gibt. Morgen darf sich jeder dazu äußern! 19.00 Uhr im Theater!

*Die Entlassungen an sich sollen hier nicht bewertet werden.

Gauck zum III. oder „das kleinere Übel“?

28 Jun

Kommentar zu

http://blog.gruene-greifswald.de/2010/06/27/freiheit/#comment-15137

vom 28. Juni 2010 um 13:46

Es geht nicht um Gauck, es geht nicht um Wulff. Um ein kleineres oder größeres Übel? Die Medien haben es allerdings geschafft, dass alle Welt dies nun so sieht. Dass die Medien dies konnten/durften, halte ich jedoch nicht für einen Beweis ihrer Unabhängigkeit. Die Frage sollte auch hier gestellt werden: Cui bono, wem nützt es? Beide Kandidaten sind konservativ, neoliberal geprägt. Das kann es also nicht sein. Gauck ist vielleicht weniger bewusst politisch, was kein Nachteil ist, taugt er doch um so besser zum unbefangenen Freiheitsmärchen-Erzähler. Aber auch das ist es kaum. Entscheidend: die “Strippenzieher” aus Wirtschaft- und Finanzwelt scheinen ihr Urteil über Merkel gefällt zu haben: Sie hat das Schwarz-Gelbe-Projekt verkackt(und zwar vorsätzlich)! Man wird nun sehen, ob es ihnen gelingt, genügend Abweichler in den eigenen Reihen zu gewinnen, um die Kanzlerin weiter zu schwächen. Das könnte mit anschließendem Misstrauensvotum o. ä. zum Sturz der Kanzlerin führen und Wulff die Kanzlerschaft bescheren. Er würde sie nicht ablehnen! Die “Retter” des Schwarz-Gelben-Projekts haben es eilig, denn noch müssten SPD und Grüne dieses Spiel, ob sie es nun wollten oder nicht, mitspielen, da es für eine wirkliche Alternative – das schon in der Luft liegende linke Projekt (Rot-Rot-Grün)- fatalerweise auf allen infrage kommenden Seiten noch keine wirkliche Bereitschaft gibt.

Joachim Gauck: „Bin ICH das?“

24 Jun

Rede im Deutschen Theater

http://www.joachim-gauck.de/Aktuelles/Reden/details/100622_grundsatzrede_dt.html

Ein Beitrag zur Diskussion um den Bewerber für das Präsidentenamt.

Es lohnt sich, sich einmal die Zeit zu nehmen und die umjubelte Rede des Kandidaten Gauck, die er im Deutschen Theater hielt, zu lesen. Grundsatzrede? Erst bescheiden von Gauck selbst dementiert, dann doch als solche auf seiner Homepage abgespeichert.

„Wenn ich mich Ihnen vorstelle, möchte ich meine Leitgedanken, meine politischen Schwerpunkte und Ziele nicht in Thesen fassen. Vielmehr möchte ich von Erfahrungen sprechen, die mich geprägt haben und den aus mir gemacht haben, der heute vor Ihnen steht. Es sind Erfahrungen, die die Leidenschaft für Freiheit, Demokratie und Recht in meinem Leben verankert haben.“

Gauck möchte das tun, was er kann – von sich sprechen:

„Über der ersten Begegnung mit dem Leben könnte ein Titel von Thomas Mann stehen: „Unruhe und frühes Leid“. Gauck ist Bildungsbürger und liebt das Pathos:

„Es war kein Zufall, dass ich mit zwölf Jahren dem Freiheitspathos von Friedrich Schiller verfiel, mit dreizehn Jahren wie ein Fiebernder am Radiogerät die Ereignisse des 17. Juni verfolgte und mit sechzehn am liebsten bei der Revolution in Ungarn mitgekämpft hätte.“

Wer Gauck gut zuhört, hört, dass er nicht nur sein Publikum davon überzeugen will, dass sie den Richtigen zum Kandidaten gekürt haben – er macht sich auch selbst Mut, Mut zur „Ermächtigung“ wie einst 1989, als er fragte: „Bin ICH das?“

Bedenklich werden Gaucks Schilderungen seiner biografischen Befindlichkeiten, wenn er schon bald das „Ich“ verlässt und sukzessive ein kollektives „Wir“ bemüht. Er vergisst, klar zu differenzieren zwischen seiner frühen Wir-Erfahrung:  „Immer wieder waren es Christen und Kirchenvertreter wie mein mecklenburgischer Landesbischof Heinrich Rathke, die mir Wegweisung und Mut gaben. Sie ließen mich glauben, dass die Wahrheit – ethisch wie politisch – nicht bei der Mehrheit sein muss. Wir erlernten damals die Minderheitenexistenz. Und indem wir sie annahmen, annehmen mussten, verloren wir zwar allerhand – aber nicht uns selbst.“ – also zwischen einem Minderheiten-WIR und einem anmaßend vereinnahmenden „Wir-sind-das-Volk“-WIR: „Damals setzten wir unsere Befreiung durch. Diese Erfahrung kann der Osten des Landes in die gemeinsame deutsche Geschichte einbringen und den Bewohnern im Westen unseres Landes schenken: Auch Deutsche können Revolution.“

Bedenklich auch, wenn Gauck sich in Volks-Psychologie versucht.  „Mehr noch als die Bewohner in Deutschlands Westen begleitet die Bewohner des Ostens deshalb eine Angst vor der Freiheit, die den schmerzlichen Prozess der Aufklärung und Säkularisierung auf dem Weg in die Moderne immer begleitet hat. Wir haben durch die Freiheit viel gewonnen, aber wir haben auch Bindungen, die äußere festgezurrte Ordnung und Sicherheit verloren. Für ihre Lebensplanung sind die Menschen nun selbst zuständig – aber zu dieser Eigenverantwortung sind einige nicht mehr, und andere noch nicht fähig. […] „Furcht vor der Freiheit“ hat Erich Fromm dieses Phänomen genannt. […] Sind wir wirklich hinreichend ausgestattet, so fragen sich die aus dem Paradies Vertriebenen. Sie sehnen sich nach der fraglosen Ordnung, die sie verließen, als sie aus freien Stücken den Apfel im Garten Eden nahmen und danach unversehens im Gefilde der Arbeit und der Sorgen landeten.“

Da geht denn doch der Pastor mit ihm durch und die Vergleiche hinken beträchtlich. Wurde das, was Gauck zynisch als „Furcht vor der Freiheit“ identifiziert, nicht erst post festum gerade durch Nicht-Aufklärung über die zu erwartende „Freiheit“ ausgelöst? Und muss der Paradiesvergleich nicht Jeden beleidigen, der Arbeit und Sorgen gehabt hatte? Und schließlich, verwechselt Gauck nicht die „Gefilde der Arbeit“, mit den nun allerdings ungewohnten Gefilden der Arbeitslosigkeit?

Die kommentierten Zitate können nur der Einstieg in eine Diskussion der Gauckschen „Grundsatzrede“ sein. Die Rede liefert dazu weiteres reichhaltiges Material.

Mein vorläufiges Angebot zu einem Resümee:

Gauck unterliegt der Selbsttäuschung, er könne als ein sich in der bürgerlichen Mitte verortender konservativer „Freiheitskämpfer“ ideologiefrei Bundespräsident aller Deutschen in Ost und West sein. Viele teilen diese Illusion. Die veröffentlichte Meinung hätschelt und die Politik nutzt sie.

Ach Gauck!

17 Jun

Zu „Gauck for President!? http://blog.gruene-greifswald.de/2010/06/15/gauck-for-president/

Ach Gauck!

Nein! Ich muss meine Parteiführung enttäuschen. Ich kann ihre Begeisterung für den Mann nicht teilen. Ich vermute, dahinter verbirgt sich eher die Begeisterung für die eigene Taktik, mit einem genialen Coup der hassgeliebten Kanzlerin (mit der man so gerne wieder regiert hätte) ordentlich eins auszuwischen. Ich vermute ferner, das Spielchen endet für SPD und Grüne eher ernüchternd. Wie viel Gauck kann sozialdemokratische Identität – ein ohnehin äußerst dehnbarer Begriff – denn noch unbeschadet verkraften? Gewiss, Gauck ist ein achtbarer Mann, und als ich ihn auf der Pressekonferenz agieren sah, war ich positiv überrascht und meinte, den kann ich mir, wie er so spricht, als Präsidenten ganz gut vorstellen – mal eben ganz unpolitisch gedacht!

Aber politisch ist das doch eine Katastrophe! Sollte eine Sozialdemokratische Partei – die lieben Grünen müssen das mit sich selbst abmachen – einen Kandidaten präsentieren, der mit Sozialdemokratie rein gar nichts am Hut hat? Ihr würde doch nicht im Traum einfallen, ihn zu nominieren, wäre sie Regierungspartei! Wie muss es um unser eigenes Personal stehen, dass wir die Hoffnung auf einen setzen, auf den, hätte ihn Merkel in Verhandlungen angeboten, sich Sozialdemokraten mit dem Regierungslager nie hätten einigen dürfen. Gesetzt, Gauck würde gewählt, und, wie die Medien suggerieren, Frau Merkel würde dies politisch nicht überleben, ja was dann? Taktik ist zu wenig, und für Hoffnungen, dass nach dem beabsichtigen Knalleffekt für Rot und Grün (und Deutschland überhaupt) irgend etwas besser werde, sehe ich derzeit keinen Anlass.

Also, Gauck for President? Er wäre wohl ein guter Präsident – aber für eine Republik, die ich mir nicht wünschen will.

Theater…

11 Jun

aus aktuellem Anlass

Bürgerschaft am 29. September 2008

„Zur Perspektive des Theaters Vorpommern“

(Tagesordnungspunkt 5.6)

Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren,
die Greifswalder Bürgerschaft steht ein weiteres Mal geschlossen hinter ihrem Theater und bekennt sich, jetzt gemeinsam mit Stralsund, zum Erhalt der Strukturen, wie sie sich in den letzen Jahren unter nicht geringen Anstrengungen entwickelt haben. Und so lehnt auch die SPD‐Fraktion die Zumutungen des „Diskussions‐ und Eckpunktepapiers“ der Schweriner Landesregierung ab, das zu Recht in der öffentlichen Diskussion hohe Wellen geschlagen hat.
Schaut man etwas genauer … in dieses wie es näher heißt „Eckpunktepapier zur Weiterentwicklung der Theater‐ und Orchesterstrukturen…“, dann merkt man bald, dass schon der Titel zynisch ist, denn es müsste ehrlicherweise ABWICKLUNG statt Entwicklung heißen! Weiterlesen