Archiv | November, 2010

Die wundersame Karriere des „IM Thomas“ am Hannah-Arendt-Institut

24 Nov

Es gibt sehr verschiedene IM-Biographien. So verschieden wohl, wie die Menschen waren, die in die Fallstricke des Ministeriums für Staatssicherheit gerieten – freiwillig oder unfreiwillig.  Sie endeten für gewöhnlich mit dem Fall der Mauer.

Aber nicht alle ereilte dieses Schicksal. Wie nach jedem Systemwechsel: die Tüchtigsten werden noch gebraucht und finden wieder Verwendung. Meist in „unpolitischen“ Bereichen, in Wirtschaft, Wissenschaft und Geheimdiensten.  Für das Empfinden der Volksseele am unappetitlichsten sind die Fälle, wo von den ungebrochenen Karrieristen ideologische Kehrtwendungen von hundertachzig Grad vollzogen werden, um weiter das tun zu können, was sie bisher taten: der Ideologie ihrer Dienstherren dienen. Einen besonders dreisten Fall (heutiger Kultur?) schildert ein nebenbei auch politisch brisanter Beitrag in KULTUR HEUTE (dlf) vom 23.11.2010:

Der Bock als Gärtner

Über die Tätigkeit eines ehemaligen Stasispitzels im Hannah- Arendt-Institut

Von Joachim Güntner

Hier zur Text- und Audioversion!

Nachtrag 24. November:

Hannah-Arendt-Institut entlässt Historiker wegen Stasi-Vorwürfen
Kuratorium stimmt fristloser Kündigung zu


Dresden (dapd-lsc). Wegen Stasi-Vorwürfen hat das Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung in Dresden mit sofortiger Wirkung den Historiker Michael Richter entlassen. Wie Instituts-Direktor Günther Heydemann am Mittwoch mitteilte, habe das Kuratorium der fristlosen Kündigung Richters am Dienstag zugestimmt.

Als Kündigungsgrund nannte Heydemann die in der vergangenen Woche erteilten Auskünfte der Stasi-Unterlagen-Behörde. „Diese belegten gravierende, über den bisherigen Kenntnisstand erheblich hinausgehende Aktivitäten“ Richters als Informeller Mitarbeiter (IM) der Staatssicherheit , teilte Heydemann mit.

Jutta Ditfurth: mehr Schwarz als Rot bei den Grünen

23 Nov

Gründungsmitglied und Aussteigerin Jutta Ditfurth im Gespräch mit Christoph Heineman (DLF)

„Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie immer neu, und wem sie just passieret, dem bricht das Herz entzwei.“

Heine singt von Liebe. Aber Ähnliches ereignet sich regelmäßig auch im politischen Leben; zumal in Parteien mit hehren Ansprüchen: enttäuschte Liebe, verratene Ideale, verfälschte Geschichte.

Ein Blick zurück in die Geschichte bietet grausige Szenarien. Aber auch im gemäßigten Klima von Demokratien scheint es gesetzmäßig zu sein, dass die Ideengeber, Visionäre mit prophetischer Gabe, in den Niederungen des politischen Alltagsgeschäftes verzichtbar,  werden. Wenn es dann um Regierungs-Macht geht, hat die Macht der Ideen ausgedient. Die Personage wechselt. Es setzen sich andere Charaktere durch. Charakter wird zum Hindernis von Karriere.

Aber nie hat Geschichte ihr letztes Wort gesprochen; das ist die Nische für Hoffnung! Und so lohnt es sich immer wieder, Zeitzeugen zuzuhören. Sie können den Mainstream der Geschichtsfälschung stören und zu kritischer Distanz verführen.

Jutta Dithfurth war dabei, als die Grünen mit Leidenschaft und Herzblut dafür kämpften, grüne Gedanken gesellschafts- und politikfähig zu machen. Wenn sie sich auf ihrem Blog an die damalige Claudia Roth erinnert,  ist das für die heutige Vorsitzende nicht schmeichelhaft. Boshaft? Geschuldet verletzter Eitelkeit? Wer Aufklärung will, muss auch das aushalten!

Hier nun das angekündigte Interview

in Text und Ton (Audio on Demand)

Lew Tolstoi

20 Nov

Dichter, Denker, Revolutionär
Zum 100. Todestag von Leo Tolstoi

Von Werner Hill

Werner Hill hat einen wunderbaren, von untergründiger Aktualität durchzogenen Essay zu Tolstois Todestag geschrieben. Mit seiner freundlichen Genehmigung darf sein Beitrag für die NDK-Kultur-Sendung „Glaubenssachen“ auch auf diesem Blog gelesen werden!

„Als der Sarg hinabgelassen wurde, knieten die Menschen nieder. Rufe wurden laut: ‚Polizei, auf die Knie!‘ Die Polizisten blieben zuerst zwischen den Knienden stehen; es fiel ihnen aber schwer, so abgesondert und einsam dazustehen, als trügen sie kein Leid. Angst, Schuldgefühl und das Gefühl von Isoliertheit zwangen auch sie, ihre Knie zu beugen. Es war ein Tag mit Schneefall. Ein trauriger Tag für die ganze Welt.“

Zur Beisetzung von Lew Nikolajewitsch Tolstoi in einem Wald nahe dem Wohnsitz des verstorbenen Grafen auf Jásnaja Poljána waren allein fünftausend Schüler und Studenten aus Moskau angereist, ein Sonderzug brachte 25 Zeitungskorrespondenten herbei, und dank ihrer Berichte wissen wir, wie es zuging auf dem letzten Wege des Autors von „Krieg und Frieden“ und „Anna Karenina“.

In Moskau war es verboten worden, öffentlich Trauer zu bezeigen, Bahnhöfe wurden bewacht. Doch die Menschen ließen sich nicht abhalten. Im Morgengrauen sah man, wie sie sich zur Waldgrenze schleppten. „Rundum Bauern in Fellkutten, Studenten, Studentinnen. Die Frauen trugen Köfferchen und Taschen mit Wegzehrung über der Schulter…Um zwei Uhr dreißig Minuten hoben Söhne und Freunde den Sarg auf und reichten ihn an Bauern weiter. Die Bauern trugen zwischen zwei Birkenstangen eine weiße Stoffbahn, auf der geschrieben stand: ‚Lew Nikolajewitsch, Dein Andenken wird unter den verwaisten Bauern von JásnajaPoljána niemals sterben.‘“ …

Den ganzen Beitrag lesen!

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Greifswald und die Weihnachtstanne

17 Nov

Eine Betrachtung zum Advent 

Der Gedanke an den jährlichen Greifswalder Weihnachtsmarkt lässt nicht nur Herzen höher schlagen, sondern treibt so manchem (OZ-Leserbriefe) immer wieder die Schamesröte ins Gesicht. Die deutsche Kanzlerin – CDU-Vorsitzende und im Osten sozialisierte Pfarrerstochter – wird nicht müde, für ihr Land christlich-abendländische Kultur und Werte zu reklamieren. So auch jüngst wieder in Karlsruhe. Doch wie sieht es damit in den Niederungen ihrer östlicher Provinzen aus? Nicht viel anders als anderswo. Nur augenscheinlich etwas krasser. Etwas heidnischer. Vierzigjährige Demissionierung durch eine atheistisch geprägte Staatsmacht hat ganze Zuarbeit geleistet. Das haben wir hier dem Westen schon mal voraus. Als im verschwundenen „Sozialismus“ am Karfreitag im Greifswalder Theater „Polenblut“ gegeben wurde, hielt ich es für eine Perfidie des Systems.

Was einst die Ideologie der Staatspartei über ihre Bürger verhängte, vermag heute vielleicht noch effizienter das herrschende Wirtschaftssystem: die Entweihung „alles Heiligen“. Mehr noch: die ideologisierte Logik der Gier duldet keine Rücksicht auf Sentimentalitäten. Menschlichkeit, Kultur und Religion werden in Nischen des Privaten gedrängt, soweit sie sich nicht vermarkten lassen.

Was hat dies zu tun mit dem „Streit um den Weihnachtsbaum“ (OZ 19.1.2010)?

Die Pfarrer der Stadt schlagen Alarm. Und Axel Hochschild (CDU) läuft Sturm, denn die Weihnachtstanne auf dem Markt soll noch vor dem letzten Sonntag im Kirchenjahr geschmückt werden. An diesem Sonntag wird traditionell unserer Toten gedacht. Da störe ein geschmückter Weihnachtsbaum, meinen die Protestler. Mir erscheint diese Argumentation eher hilflos. Vom Standpunkt der Kirche aus sollte der erste Advent die Grenze für den Beginn vorweihnachtlicher Aktivitäten sein. Totensonntag allein ist ein dürftiges Argument für das damit angeschnittenes kulturelles Problem.

Der Weihnachtsbaum, wie übrigens auch der Weihnachtsmann, fand verhältnismäßig spät Eingang in die christlichen Traditionen des Weihnachtsfestes. Für den christlichen Glauben sind beide nicht existenziell. Wer nüchtern um sich blickt, muss bekennen, Weihnachtsbaum und Weihnachtsmann haben sich längst von ihrem religiösen Ursprung gelöst. Bei Umweltbewussten ist der Baum fragwürdig geworden, der Sparsame holt alle Jahre wieder sein Plasteexemplar hervor und die Ängstlichen benutzen   elektrische Lichterketten. Bienenwachskerzen und duftende Koniferen sind nur mehr noch etwas für stilbewusste Bürger. Und der Weihnachtsmann wurde längst zum allgegenwärtigen süßen Schokoladengötzen, mit denen vornehmlich und in Massen die Kinder der Unterprivilegierten abgefüllt werden. Wirtschaft und Handel haben sich dieser Symbolträger als Dekor und Verkaufsschlager bemächtigt und traktieren uns damit ab Oktober, weit vor dem Advent. Fällt in diesem Zusammenhang eine geschmückte Tanne auf dem Markt totensonntags noch ins Gewicht?

Andererseits muss eine kultur- und wertebewusste Stadt nicht alles mitmachen. Mit Wehmut blicke ich zurück in die Zeit der Kindheit, die zugleich eine des Mangels war; zurück auf den ersehnten Moment, da wir jedes Jahr aufs neue beglückt wurden durch den ersten Blick auf eine im Lichterglanz der Kerzen erstrahlende Weihnachtstanne – in der Kirche oder auch im häuslichen Weihnachtszimmer, das vorher nicht betreten werden durfte.

Was bedeutet dagegen ein von einfallslosen „Pädagogen“ im Verein mit einem dubiosen Weihnachtsmarketing organisierten Event des Baumschmückens lange vor der Zeit? Werden Kinder da gedankenlos missbraucht, vermarktet, verwertet?

Das hätte „die Stadt“ doch wohl in der Hand!

Wenn überhaupt etwas von Kultur mit christlichem Erinnerungswert gerettet werden sollte, könnten ihre Vertreter darauf bestehen, dass der einzige Schmuck der Tanne eine Lichterkette sei. Bis zum Abend des vierundzwanzigsten Dezembers dann sollte sie “schwarz und schweigend“ inmitten des kommerziellen Trubels stehen und allein vom Weihnachtsmarkt beleuchten werden – soweit es denn reicht. Ihre große Stunde käme erst, wenn der Spuk vorüber ist. Dann könnte sie mit Beginn der Dämmerung des Heiligen Abends ihren Glanz über unseren schönen Marktplatz bis in den Januar hinein erstrahlen lassen.

Zukunftsangst – made in USA?

16 Nov

Richard Sennett im Interview

Wir sollten nicht glauben, dass an europäischen Grenzen halt macht, was seit einiger Zeit schon die amerikanische Gesellschaft zerrüttet! Richard Sennett schildert in einem Le Monde-Interview  vom 3.11.2010, wie sich Hoffnungslosigkeit und Zukunftsangst in den Unter- und Mittelschichten verbreiten – genau bei den Menschen, die auf  Obama hofften und ihm zu seinem  Wahlsieg verholfen haben. Woran Obama  letztlich scheitern wird, ist das System. Solange noch Politiker „an der Macht“ sind, die unverdrossen an die Systemrelevanz des Finanzkapitals glauben und bereit sind, dessen global vernetzte Akteuere und Profiteure nach jedem gescheiterten Horrortrip zu retten, wird sich nichts zum Besseren wenden.

Die Tragik Obamas sollte uns vom hohen Ross des deutschen Wesens steigen lassen. Wir müssen begreifen, dass, was im Land der unbegrenzten Möglichkeiten klar auf der Hand liegt, bei uns schon längst begonnen hat…

Das Interview:

Welche Auswirkungen hat Arbeitslosigkeit auf die Wahlen in den USA?

Mit steigender Arbeitslosigkeit wählen die Leute immer mehr rechts. Arbeitslosigkeit nährt Nostalgieträume von der Vergangenheit sicherer Arbeitsplätze, nicht existierender Arbeitslosigkeit und nicht existierender Angst vor Arbeitsplatzverlust. Während früher qualifizierte Arbeitnehmer-Handarbeit fundierte berufliche Kompetenzen erforderte, die ein Selbstwertgefühl vermittelten, verschlechterte sich inzwischen die Qualität der Arbeitsplätze gravierend…“ Das ganze Interview lesen! gefunden bei Nachdenkseiten

2. Philharmonisches Konzert in Greifswald (9. November 2010)

11 Nov

Die andere Kritik (2)

Das Haus war so gut wie ausverkauft. Wer an diesem neunten November sich entschied, das Konzert zu besuchen, durfte getrost die Schicksalslastigkeit dieses Datums vergessen. Wer das nicht konnte, den erwartete eine Art Kontrastprogramm. Deutsches vom Deutschesten lockte die Besucher: Brahms, Hübler, Schumann. Entschuldigung – wer ist Hübler?

Oft beginnen Konzerte mit einem gefälligen oder unbekannten Stück, mehr oder weniger zum Einspielen. Gewählt war eine Serenade von Brahms, die zweite in A-Dur. Wohl weniger gespielt und daher weniger gekannt als die erste – mir schien, zu Recht. Ein sperriges Stück und gerade wohl nicht zum Einspielen geeignet. Es zum Klingen zu bringen, bedarf höchster Konzentration. Das hätte schon beim Einstimmen beginnen müssen. Die Bläser, von Brahms eigenwillig überrepräsentiert, ließen den als Weichzeichner gedachten Streichern, wohl auch ihrer sparsamen Besetzung wegen, im Bläsergestrüpp keine Chance. Und so  ging das, stoisch durchgezogen,  fünf zeitdehnende Sätze lang. Wenn mein Eindruck nicht täuschte, wussten viele nicht recht, wozu sie gebeten. An Serenade zumindest war nicht zu denken.

Im zweiten Teil vor der Pause gab es dann Anlass zum Aufatmen. Vier solistische Hörner demonstrierten ihr Können und zugleich die bekannte Tatsache, dass Schwung und Präzision beim Hörer Effekte erzeugen, die begeistern – und die ein Publikum wohl auch erwarten darf.

Es erklang das  Konzertstück für vier Hörner von Hübler.

Carl Heinrich Hübler war Zeitgenosse von Brahms und eigentlich Hornist. Ein vielgerühmter, der sich auch im Komponieren versuchte, und mit seinem Hornkonzert vermutlich den Zeitgeschmack vortrefflich bediente – musikalisch eher simpel, aber, wie schon angedeutet, vielleicht eben deshalb auch heute noch publikumswirksam.

Dann, nach der Pause, wie üblich das Stück für den Dirigenten. Schumanns Zweite. Der erste Eindruck: die Streicher hatten zu ihrer „Tagesform“ gefunden. Auch diese Sinfonie eher selten gespielt. Und dann in einer Fassung von Gustav Mahler. Warum? Aus dem Programmheft geht es nicht hervor. Dass Mahlers „Retuschen“ daran orientiert gewesen sein sollen, „eine bessere Durchhörbarkeit zu gewährleisten“ konnte, zumindest an diesem Abend, in praxi nicht verifiziert werden. David Zinman, seit 1995 Chefdirigent des Zürcher Tonhalle-Orchesters, meinte, Beethoven zu dirigieren brauche man Kraft. Nicht so bei Schumann. „Es geht (da) nicht um Kraft, sondern um Besessenheit… So etwas findet man in keiner anderen Musik.“

Etwas davon hätte ich mir gewünscht!

4+1 – DIE ELEMENTE Uraufführung in Greifswald

9 Nov

Die andere Kritik (1)

Ralf Dörnen hat in Greifswald einen guten Namen. Seine Ästhetik besticht ein kleines, aber feines Publikum.

Dörnen hat ein Gespür für gute Musik, für Form und Farbe. Er hat ein Gespür für Menschen, die seine künstlerischen Ideen aufnehmen, umsetzen und beflügeln können. Das beginnt mit der glücklichen Auswahl junger Tänzerinnen und Tänzer, die er nicht nur benutzt, sondern die sich entwickeln dürfen unter seiner Leitung und der liebevoll-strengen Obhut seiner Ballettmeisterin Sabrina Sadowska.

Und so wurde auch die Uraufführung seines neuen Ballettabends wieder ein voller Erfolg!

Dörnen liebt die große Geste, schon in der Themenwahl. Diesmal soll Philosophie, soll das Nachdenken darüber, woraus die Welt besteht und was sie zusammenhält, zum theatralischen Ereignis werden – und wird es.

Es hebt an wie die Schöpfung selbst. Ein großartiges Panorama aus Licht, Farbe, Form und Musik, choreographisch sanft bewegt, tut sich faszinierend unseren Sinnen auf. Und dann das Erstaunliche – Dörnen verzichtet dabei auf das, was Ballett wesentlich ausmacht, auf das Ballett. Und dieser Verzicht ist Gewinn. Gewinn, der dem philosophischen Thema auf geniale Weise gerecht wird: der Mensch war nicht das Erste.

Klaus Hellensteins Bühnenbild, gleich einer Installation, macht dies erst kongenial möglich.

Kunst, so sie ihrem Namen Ehre macht, erlaubt uns immer wieder, überrascht zu sein, bewundern zu können, zu staunen, mitzufühlen und naiv uns zu erfreuen.

Dazu geben nun auch die dann bald zu ihrem Recht (Auftritt) kommenden Tänzerinnen und Tänzer. Kostümlich dezent sich ins Panorama einfügend, füllen sie Ralf Dörnens „choreographischen Bilderbogen“ mit bewundernswert kultivierter Körperbeherrschung. Es ist schön, zu beobachten, wie die verschiedenen Charaktere und die Persönlichkeiten der Tänzerinnen und Tänzer, je zu ihrer Zeit, den Gesamteindruck der vorwiegend kollektiven Leistung bereichern. Oder philosophisch gesprochen, Dörnen versteht die Dialektik von Allgemeinem und Besonderem auf der Bühne sichtbar zu machen, ohne dass er von seinem jungen Ensemble verlangte, selbst tiefgründig zu agieren.

Ich fragte mich im Vorhinein, ob eine Ballettinszenierung dem Anspruch seines Themas einen ganzen Abend lang gerecht werden könne. Dörnen ist es gelungen, die gedankliche Schwere, die man vermuten durfte, schon durch die Wahl der Musik aufzulockern. Da gäbe es Schwereres zum Vertanzen. Und dankbar nahm das Publikum slapstickartige Einsprengsel auf, die in entsprechender Kostümierung für angenehme Heiterkeit sorgten.

„Das Dasein ist rund“ wird uns als Motto im Programmheft (Catrin Darr) angeboten. Auch als Deutung?

Vielleicht war das Dasein an diesem Abend ein bisschen zu rund – und zu lang. Manche Bilder verbrauchen sich schneller als andere. Zum Beispiel sich am Boden wälzende menschliche Körper. Und „zu lang“ ist eine Versuchung, der jeder, der sein Werk liebt, nicht ungern erliegt. Vielleicht aber auch ist die untergründige Absicht einer zu zeigenden Erkenntnis am Werk: dass das erlebte Dasein zwar rund, der Anfang aber allemal schöner als das Ende ist.

Dies allerdings tut dem Ganzen keinen Abbruch.

Ralf Dörnen und seiner künstlerischen und technischen Mannschaft ist eine Inszenierung gelungen, der noch viele fürs Ballett zu begeisternde Zuschauer zu wünschen sind!

Freizeitbad: Vom „Pfusch am Bau“ zur „Osnabrücker Gang“

7 Nov

Filz im Greifswalder Rathaus

Nun ist es raus: Bau-Pfusch am Schwimmbad. Nicht nur für Greifswald überdimensioniert geplant und gebaut, sondern auch noch gepfuscht! OZ berichtet auf Seite 11 der Greifswalder Zeitung. Nun muss nur noch die Verbindung zu Seite 12, den „Machenschaften der Osnabrücker Gang“ geklärt werden. Da klafft noch eine Lücke für unsere investigativen Journalisten.

Der aktuelle Schwimmbadskandal ist eine gute Gelegenheit, Antwort auf weitere Fragen zu suchen: Wer hatte ein Interesse, die für Greifswald überdimensionierte Planungsvariante durchzusetzen? (Nebenwirkung: Schwimmbad ist nicht ausgelastet. Preise sind überhöht, so dass das Freizeitbad seiner sozialen Funktion* nicht gerecht werden kann.

Diese Frage provoziert die nächste: Wem nützt das – wer waren die ersten Investoren (Geldgeber)?  Es wäre interessant, inwieweit Greifswalder Honoratioren da mitverdienen wollten. Wie sahen die Verträge aus? Gibt es doch immer gut zu verdienen, wenn das Verlustrisiko bei der Kommune bleibt und die Verluste dem Steuerzahler aufgebürdet werden können.

Es wäre im Rathaus angebracht, die Maske ehrenwerter Ahnungslosigkeit abzulegen und sich einzugestehen, dass die Zeit der empörten Gesten vorbei ist. Verantwortung wahrnehmen, beginnt mit der Erkenntnis, Teil einer Verwaltung zu sein, die es kräftig zu entfilzen gilt.

*webmoritz

Greifswalder Freizeitbad – Pfusch am Bau?

Freizeitbad – quo vadis?

Adenauer – der Demagoge

3 Nov

Antikommunismus als Gründungskitt der CDU

„Ich wollte, meine Freunde, die Bewohner der Ostzone könnten einmal uns offen schildern, wie es bei ihnen aussieht. Unsere Leute würden hören und sehen, dass der Druck, den der Nationalsozialismus durch Gestapo, durch Konzentrationslager ausgeübt hat, mäßig war gegenüber dem, was jetzt in der Ostzone geschieht.“ so Adenauer auf dem Goslarer Parteitag (vom 20. bis 22. Oktober 1950). Deutschlandradio Kultur geht mit dieser Infamie, die die alten Nazis der neuen  bundesdeutsche Gesellschaft entlastete, recht moderat um. Aber davon abgesehen, ist das „Kalenderblatt“  aufschlussreich. Hinzugefügt sei: Der Gründungsmythos von CDU und Bundesrepublik lebt bis heute von der Delegitimierungsdemagogie gegenüber der schamlos abgehängten und „den Russen“ ausgelieferten „Soffjetzone“ (1950! schon DDR). Derlei demagogischer Antikommunismus hat Tradition und wird, wann Gefahr in Verzug, noch immer erfolgreich mobilisiert und als moralische Keule über den Häuptern leicht zu verschreckender Bürger geschwungen.

Antikommunismus – die moderne Variante:

(s. a. Spiegelfechter !)